🏗️ Bautagebuch – Teil 3

PRAXISGRÜNDUNG & EINBLICKE

Verena Schönke

12/22/20252 min lesen

Farbe bekennen. Wenn Räume anfangen zu fühlen.

Es gibt Baustellentage, die fühlen sich an wie ein ganz eigener Rhythmus.
Ein bisschen staubig, ein bisschen chaotisch, ein bisschen magisch.
Und mittendrin dieser leise Zeitdruck, der sagt:
„Komm, wir müssen weiter. Die Eröffnung wartet nicht.“

Der Herzschlag-Bereich entsteht

Während das Wartezimmer – direkt neben dem Empfang – gerade seine ersten Farbschichten bekommt, kann ich schon spüren, wie dieser Bereich später wirken wird.
Warm.
Einladend.
Ein erstes Durchatmen für alle, die hier ankommen.
Noch bevor ein Wort gesprochen wird.
Noch bevor ein Termin beginnt.

Die Akzentwand, die Tapete, die Farben – es ist, als würde dieser Raum langsam flüstern, wer wir sein wollen.
Ruhig. Klar. Wertschätzend.

Wenn Räume anfangen zu fühlen

Im Wartezimmer trocknet die Farbe.
Der Geruch liegt noch leicht in der Luft,
die Wand wirkt anders im Licht als gestern.
Die Tapete wartet auf ihren Moment.
Und ich entdecke, wie sehr Gestaltung mehr ist als Optik:

Sie ist ein Gefühl.
Eine Haltung.
Eine Einladung.

Währenddessen planen Thomas und ich schon die nächsten Schritte:
Material holen.
Profile setzen.
Wand hochziehen.

Es fühlt sich an, als würden wir Stück für Stück unser eigenes Zuhause bauen — ein Zuhause für alle, die hier später begleitet werden.

Zwischen Zeitdruck und echter Zuversicht

Der Kalender wird voller, die Tage kürzer.
Der Abstand zur Eröffnung kleiner.
Und trotzdem:
Jeder kleine Fortschritt trägt.
Auch an Tagen, an denen der Kopf schneller ist als die Hände.

Die Tapete im Wartezimmer.
Die Farbe, die langsam warm wirkt.
Die Wand, die wir bald setzen.

Manchmal stehe ich kurz still und denke:
„Es passiert wirklich.“

Ein Ort, der Menschen halten soll

Wenn ich durch die Räume gehe, sehe ich schon jetzt all die Menschen vor mir:

Kinder, die vorsichtig ankommen.
Erwachsene, die lange nach Unterstützung gesucht haben.
Angehörige, die zwischen Hoffnung und Erschöpfung stehen.
Und mein zukünftiges Team, das hier Räume bekommen soll, die gut tun.

All das fließt gerade — zwischen Staub, Farben und Wandprofilen — in diesen Ort hinein.

Und plötzlich weiß man: Wir kommen an

Noch ist nichts fertig.
Aber es ist klar:
Es bewegt sich.
Es wächst.
Es wird warm.

Das Wartezimmer beginnt zu atmen.
Der Empfang wird bald Struktur haben.
Und der Therapieraum — der bekommt bald seine erste selbstgebaute Wand.

Vielleicht ist das das Schönste in dieser Bauphase:
Dass sich trotz Zeitdruck ein Gefühl von Zuhause bildet.
Ehrlich.
Und voller Richtung.

Vielleicht fühlt sich genau so ein Anfang an.