🏗️ Bautagebuch – Teil 3a
PRAXISGRÜNDUNG & EINBLICKE
Verena Schönke
12/23/20251 min lesen


Wenn dein Sohn aus Hamburg anreist, um zu streichen
Es gibt Baustellenmomente, die plant man nicht – sie passieren einfach.
Und plötzlich steht man mit einem Farbroller in der Hand da und denkt:
Das hier ist gerade größer als Farbe.
Es ist dieser Rhythmus, in dem man merkt,
dass hier nicht nur gebaut wird –
sondern etwas entsteht, das Menschen tragen soll.
Es riecht nach frischer Farbe und ein bisschen nach Staub.
Die Fenster sind offen, irgendwo klappert ein Eimer.
Und trotzdem fühlt sich dieser Moment erstaunlich ruhig an.
Mein Sohn ist schon am Wochenende aus Hamburg angereist.
Nur um zu helfen.
Nur weil ich ihm wichtig bin. Wir ihm wichtig sind.
Er kommt durch die Tür, sieht die Farbdosen, mich, die Baustelle – und sagt trocken:
„So. Wo ist mein Pinsel?“
Zwischen Pinseln und kleinen Sticheleien
Wir stehen nebeneinander an der Wand, streichen schweigend, lachen laut, necken uns leise.
„Die Farbe deckt gut.“
„Du malst zu zaghaft.“
„Mama… der Rand ist schief.“
– Pause –
„Nur Spaß.“
Es ist humorvoll, liebevoll, leicht.
Wie eine Szene, die man nicht schreiben kann – sie passiert einfach.
Das Gefühl hinter dem Moment
Ich sehe ihn an und merke:
Es ist nicht der Pinsel.
Nicht die Wand.
Nicht der Fortschritt.
Es ist dieses stille:
Ich bin da. Für dich. Für das hier.
Und während der Raum langsam Farbe bekommt, bekomme auch ich einen Moment, den ich nie vergessen werde.
Vielleicht entstehen manche Räume genau so.
Nicht durch Pläne.
Sondern durch Menschen, die einfach kommen,
einen Pinsel in die Hand nehmen
und bleiben, solange es zählt.
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