🏗️ Bautagebuch – Teil 5

PRAXISGRÜNDUNG & EINBLICKE

Verena Schönke

12/29/20254 min lesen

Blogtagebuch Teil 5 – Die Rezeption

Manche Orte entscheiden nicht,
wie laut etwas beginnt.
Sondern wie sicher.

Die Rezeption ist so ein Ort.
Und sie entsteht gerade.

Zwischen Ideen und Entscheidungen

Ich stehe oft davor.
Bleibe kurz stehen.
Gehe wieder ein paar Schritte zurück.

Noch ist hier nichts fest.
Die Theke nicht endgültig platziert.
Oberflächen werden ausprobiert.
Abstände verschoben.

Manchmal lege ich etwas hin.
Manchmal nehme ich es wieder weg.

Nicht aus Unentschlossenheit.
Sondern weil ich spüre,
wie wichtig dieser Ort ist.

Planen, verwerfen, neu beginnen

Die Rezeption ist nicht einfach entstanden.
Sie wurde gedacht.
Und wieder verworfen.

Ich habe Skizzen gemacht.
Sie beiseitegelegt.
Neue begonnen.
Maße verändert.
Proportionen verschoben.

Manches sah auf dem Papier gut aus
und fühlte sich im Raum falsch an.
Anderes brauchte Zeit,
um sich überhaupt zeigen zu dürfen.

Dazwischen immer wieder Fahrten zum Baumarkt.
Material in die Hand nehmen.
Oberflächen ansehen.
Kanten fühlen.
Farben vergleichen.

Entscheiden.
Zweifeln.
Noch einmal zurück.

Nicht aus Unsicherheit.
Sondern weil ich gemerkt habe:
Diese Rezeption muss sich richtig anfühlen.
Nicht nur funktionieren.

Jetzt steht das Grundgerüst.
Noch roh.
Noch unfertig.
Aber klar.

Und obwohl noch vieles fehlt,
sehe ich sie bereits vor mir.
Fertig.
Stimmig.
So, wie sie sein soll.

Das Bild davon ist längst da.
Im Kopf.
Und im Gefühl.

Jetzt wartet sie auf ihre Vollendung.

Manche Entscheidungen treffe ich allein.
Andere entstehen im Austausch.

Ein Blick hinter die Kulissen

Manchmal treibe ich Thomas damit in den Wahnsinn.
Das weiß ich.

Ich habe dieses Bild im Kopf.
Sehr klar.
Sehr konkret.
Und gleichzeitig schwer in Worte zu fassen.

Er zeigt mir Materialien.
Hält sie mir hin.
Schlägt etwas vor.

Und ich weiß oft innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde:
Nein.

Nicht, weil es schlecht ist.
Sondern weil es nicht das ist.

Manchmal fühlt er sich dabei übersehen.
Das spüre ich.
Und es tut mir leid.

Und dann, einen Moment später,
versteht er es.
Weil er merkt:
Ich suche nicht nach irgendetwas.
Ich suche nach dem,
was sich richtig anfühlt.

Zwischen uns liegt dann kurz Spannung.
Und direkt danach Vertrauen.

Vielleicht ist genau das auch Teil dieses Prozesses:
Dass man sich immer wieder reibt.
Und sich trotzdem gemeinsam ausrichtet.

Der erste Blick – und was er auslösen soll

Die Rezeption liegt vorne.
Direkt am Eingang.
Der erste Kontaktpunkt.

Noch bevor gesprochen wird.
Noch bevor erklärt wird.
Noch bevor irgendetwas passiert.

Ich denke oft daran,
wie es sich anfühlt,
einen Ort zu betreten,
wenn man angespannt ist.
Oder müde.
Oder unsicher.

Hier entscheidet sich,
ob jemand innerlich einen Schritt nach vorne macht
oder einen zurück.

Dieser Gedanke begleitet mich bei jeder Entscheidung.

Ein Ort mit einem Menschen dahinter

Die Rezeption wird von Thomas geleitet.

Zu wissen,
dass hier jemand sitzt,
der den Überblick behält,
ruhig bleibt
und gleichzeitig nahbar ist,
nimmt mir selbst Druck.

Und ich atme ein Stück freier.

Er wird hier sein.
Sich kümmern.
Zuhören.
Da sein.

Für Termine.
Für Fragen.
Für das,
was zwischen den Worten liegt.

Diese Gewissheit verändert,
wie sich dieser Ort anfühlt –
schon jetzt.

Kein Tresen zum Verstecken

Ich wollte nie eine Rezeption,
hinter der man verschwindet.

Sondern einen Ort,
der Verbindung schafft.

Wo jemand sagen darf:
Ich bin unsicher.
Oder:
Ich brauche Hilfe.
Oder einfach:
Ich bin jetzt hier.

Diese Haltung fließt in jedes Detail.
Auch in die,
die man später vielleicht gar nicht bewusst wahrnimmt.

Auch das Wartezimmer gehört zum Ankommen

Nicht nur die Rezeption entscheidet darüber,
wie sich Ankommen anfühlt.

Ein paar Schritte weiter
steht das Wartezimmer.

Und plötzlich sind sie da.
Die Stühle.

Ich habe sie bewusst ausgewählt.
In Farben, die zur Praxis gehören.
Nicht auffällig.
Nicht austauschbar.
Sondern ruhig.
Tragend.

Jetzt, wo sie dort stehen,
weiß ich:
Es war die richtige Entscheidung.

Nicht, weil sie perfekt sind.
Sondern weil sie wirken,
als hätte es nie eine Alternative gegeben.

Als wären sie genau für diesen Raum gedacht.
Für dieses Licht.
Für diese Stimmung.

Sie nehmen sich zurück
und sind trotzdem da.

So, wie es auch die Rezeption soll.
So, wie ein Wartezimmer sein sollte.

Ein Ort, der nichts fordert.
Aber etwas hält.

Ein Ort, der auch an die Begleitenden denkt

Nicht alles, was wichtig ist,
liegt auf den ersten Blick offen.

Im Patienten-WC steht eine Duschtasse.
Sie war von Anfang an da.
Und von Anfang an war klar:
Wir brauchen sie nicht.

Stattdessen entsteht hier etwas anderes.

Aus Holzbrettern baue ich eine Wickelkommode.
Schlicht.
Stabil.
Mit Bedacht.

Ein Ort für die Allerkleinsten.
Und für die,
die sie begleiten.

Neben dem WC,
direkt vor dem Fenster,
steht eine kleine Bank.
Ganz unscheinbar.
Aber bewusst dort platziert.

Denn Kleinkinder kommen selten allein.
Sie werden getragen.
Begleitet.
Beruhigt.
An die Hand genommen.

Das weiß ich,
weil ich diesen Weg selbst kenne.

Und weil ich weiß,
wie viel es bedeutet,
wenn man sich als begleitende Person
mitgedacht fühlt.

Auch das gehört für mich zur Rezeption:
Mitdenken.
Raum geben.
Nicht nur für Patienten –
sondern für alle,
die dazugehören.

Sichtbar werden – Schritt für Schritt

Heute haben wir das Praxisschild an der Praxistür angebracht.
Und auch die Beschilderung im Treppenhaus.

Keine große Geste.
Aber eine wichtige.

Damit man uns finden kann.
Damit klar ist: Hier seid ihr richtig.

Es fühlt sich besonders an,
wenn ein Ort, der lange nur im Inneren existiert hat,
anfängt, nach außen sichtbar zu werden.

Das Praxisschild neben der Haustür
haben wir bewusst noch nicht angebracht.

Das bewahren wir uns auf.
Für Silvester.

Nicht aus Aberglauben.
Sondern, weil es sich richtig anfühlt,
diesen letzten Schritt
mit einem bewussten Moment zu verbinden.

Manches darf warten.
Und gewinnt genau dadurch an Bedeutung.

Leise Zweifel gehören dazu

Natürlich gibt es Momente,
in denen ich mich frage:

Bin ich zu genau?
Denke ich zu viel?
Mache ich es mir unnötig schwer?

Dann erinnere ich mich daran,
dass es hier nicht um Perfektion geht.

Sondern um Haltung.

Noch nicht fertig – aber klar

Hier fehlt noch vieles.
Der letzte Schliff.
Die Ordnung.
Die Ruhe.

Aber die Richtung ist da.

Noch sieben Tage.

Sie laufen nicht laut.
Aber sie sind da.
In jedem Handgriff.
In jeder Entscheidung.

Kein Countdown zum Feiern.
Sondern einer zum Ankommen.

Die Rezeption wird gerade gestaltet.
Und mit ihr entsteht der erste Moment des Ankommens.

Nicht laut.
Aber ehrlich.

Ankommen dürfen

Vielleicht ist das das Wichtigste:

Dass man hier nicht funktionieren muss.
Nicht vorbereitet sein.
Nicht wissen, wie alles läuft.

Man darf einfach ankommen.

Und jemand ist da.