🏗️ Bautagebuch – Teil 6

PRAXISGRÜNDUNG & EINBLICKE

Verena Schönke

1/4/20264 min lesen

Blogtagebuch – Teil 6: Fast fertig. Kurz vor dem Start.

Es gibt einen Punkt in diesem Prozess,
an dem alles gleichzeitig passiert.

Nicht mehr das große Planen.
Nicht mehr das grundsätzliche Entscheiden.
Sondern das Zusammenfügen.

Und genau dort stehen wir jetzt.

Zwischen Erschöpfung und Klarheit

Die Tage sind dicht.
Die To-do-Listen lang.
Und trotzdem fühlt sich manches ruhig an.

Nicht, weil es wenig wäre.
Sondern weil vieles ineinandergreift.

Räume stehen.
Strukturen tragen.
Abläufe beginnen, Sinn zu ergeben.

Noch ist nicht alles perfekt.
Aber es ist klar.

Keine Eröffnungsfeier. Noch nicht.

Wir haben uns bewusst entschieden,
zum Start keine Eröffnungsfeier zu machen.

Nicht, weil es nichts zu feiern gäbe.
Sondern weil wir erst ankommen wollen.

Im Alltag.
Im Rhythmus.
In den Räumen.

Feiern darf warten.
Ankommen nicht.

Dank, der von Herzen kommt

Dieser Weg war nicht allein.

Mein Mann,
den meine Launen oft gefordert haben.
Und zugleich einer,
mit dem wir immer wieder
einen neuen Anfang finden konnten.
Einer,
der mit mir gewachsen ist.
Und an meiner Seite bleibt.

Meine Söhne –
der älteste aus Hamburg angereist,
der zweitälteste zwischen Job und Studium,
die beiden jüngsten,
die geholfen haben, wie sie konnten.
Und sei es nur,
keine Paketlieferung zu verpassen.

Meine Schwiegertochter,
mit einer Selbstverständlichkeit,
die berührt.

Mein Team,
das Verständnis hatte,
mitgedacht hat
und Vertrauen geschenkt hat,
noch bevor alles fertig war.

Meine Familie,
die akzeptiert hat,
dass diese Praxisgründung
gerade im Mittelpunkt steht.

Freunde und Bekannte,
die unliebsame Jobs übernommen haben:
Müll zum Recyclinghof fahren,
Material schleppen,
Rigipsplatten transportieren.

Eine Freundin,
auf die ich mich blind verlassen kann.
Gemeinsam mit einer Bekannten
hat sie noch einen Tag vor Weihnachten
Müll zum Wertstoffhof gefahren –
obwohl am nächsten Tag
die ganze Familie bei ihr zu Besuch war.

Das sind große Gesten.
Und sie tragen.

Überraschende Nähe

Was mich besonders berührt hat:
Patientenmamas,
die mir angeboten haben,
vorbeizukommen und zu helfen.

Ganz selbstverständlich.
Ganz uneigennützig.

Natürlich habe ich sie nicht helfen lassen.
Aber dieses Angebot
hat mein Herz tief berührt.

Und auch an mich selbst

Dieser Weg war nicht leicht.
Es gab Tränen.
Momente von Überforderung.
Druck, der schwer wurde.

Und trotzdem bin ich geblieben.
Habe weitergemacht.
Nicht aufgegeben.

Auch das gehört gesagt.

Wenn Pläne kippen

Es gab auch diesen Abschnitt,
in dem vieles wackelte.

Ein Handwerker hatte zugesagt,
die entscheidende Wand zu setzen.
Am 31.12.
Und sogar am 1.1.

Doch er kam nicht.
Keine Rückmeldung.
Auch am nächsten Tag nicht.

Am 2.1. meldete er sich kurz:
„In einer halben Stunde bin ich da.“
Es wurde fast Mittag.

An diesem Tag zog er die Wand nicht.
Stattdessen besserte er den Boden im Treppenhaus aus.

Er organisierte noch einen Heizungsinstallateur
und versprach,
am nächsten Morgen um 8:30 Uhr da zu sein.

Der Heizungsinstallateur kam.
Er klemmte den Heizkörper ab.
Wichtig.
Richtig.

Vom Handwerker selbst
fehlte jede Spur.
Den ganzen Tag.
Bis heute ohne Rückmeldung.

Umdenken

Durch seine Zusagen
hatten wir priorisiert.

Die Wand sollte von ihm kommen.
Alles andere rückte nach hinten.

Als klar wurde,
dass wir nicht mehr warten konnten,
mussten wir neu sortieren.

Schnee, Zeitdruck und Verlässlichkeit

Der Heizkörper in meinem zukünftigen Therapieraum
war nun weg.
Die Wand konnte gezogen werden.

Also entschieden wir uns am Nachmittag:
Wir machen es selbst.

Damit zumindest der vordere Bereich
bis Montag fertig ist:
Empfang.
Patienten-WC.
Wartezimmer.
Und mein eigener Therapieraum,
der heute fertiggestellt wird.

Die Tür im Flur,
die zu den weiteren Therapieräumen führt,
muss vorerst geschlossen bleiben.
Nicht aus Vergessen.
Sondern aus Priorisierung.

Für die Wand fehlte Material.
Ständerwerk,
das wir eigentlich erst für Montag geplant hatten.

Ich rief meine Freundin an.
Mit dem größeren Auto.

Sie zögerte keine Sekunde.

Dabei fing es gerade wieder an zu schneien.
Die Straßen waren glatt.
In jeder anderen Situation
hätte sie gesagt:
„Ich fahre nicht.“

Diesmal fuhr sie.

Wir holten alles gemeinsam im Baumarkt.
Diese Dankbarkeit
lässt sich kaum in Worte fassen.

Am Abend errichteten mein Mann und ich
noch das Ständerwerk.

Ich mehr als helfende Hand.
Er tragend.
Konsequent.

Die Luft war angespannt.
Der Zeitdruck hoch.

Aber wir zogen es durch.

Fast alles fertig

Fast alles ist jetzt bereit.

Die Räume.
Die Abläufe.
Die Orte,
in denen mein Team ankommen darf.
Und in denen sich Patienten
wohl und sicher fühlen sollen.

So war es geplant.

Mein eigener Therapieraum
sollte zuletzt kommen.
Alles andere hatte Vorrang.
Damit das Team starten kann.
Damit der Alltag trägt.

Doch Pläne verändern sich,
wenn Entscheidungen ausbleiben.

Da der Handwerker nicht kam
und Prioritätsstufe 1 liegen blieb,
mussten wir neu sortieren.

Auch der zweite Therapieraum
für die Ergotherapie
konnte vorerst nicht fertiggestellt werden.
Der erste ist vorbereitet.
Der zweite muss warten.

Und so wurde eine Entscheidung nötig,
die eigentlich anders gedacht war.

Mein Raum wird nun zuerst fertig.
Nicht aus Wunsch.
Sondern aus Notwendigkeit.

Weil mein Team am Mittwoch startet.
Und irgendetwas bereit sein musste.

Manchmal bedeutet Priorisieren
nicht festzuhalten.
Sondern loszulassen.

Kurz vor dem Start

Jetzt sind wir fast fertig.
Nicht im Sinne von perfekt.
Sondern im Sinne von bereit.

Bereit, anzufangen.
Bereit, zu wachsen.
Bereit, anzukommen.

Der Rest darf sich entwickeln.
Mit dem Alltag.
Mit den Menschen.

Und genau so soll es sein.

Getragen

Am Ende bleibt vor allem eines: Dankbarkeit.

Für Hände, die mit angepackt haben.
Für Menschen, die Zeit gegeben haben.
Für Verständnis, Geduld und Mitgehen.
Für Zuspruch, wenn der Druck groß wurde.
Und für all die leisen Gesten,
die diesen Weg getragen haben.

Diese Praxis steht nicht nur auf Wänden und Möbeln.
Sie steht auf Vertrauen.
Auf Unterstützung.
Auf einem Miteinander,
das da war,
lange bevor alles fertig war.

Dafür: von Herzen danke.

Und irgendwo zwischen all dem
wächst auch Vorfreude.

Auf den Moment,
wenn sich die Praxistüren
zum ersten Mal offiziell öffnen.

Nicht spektakulär.
Nicht laut.

Sondern einfach,
weil Menschen hereinkommen.
Und dieser Ort beginnt,
das zu tun,
wofür er gedacht ist.

Darauf freue ich mich.

🤍



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🎧 Dieses Lied lief beim Schreiben:
Spring Day – BTS

Ein Lied über Durchhalten,
über Zeit, die vergeht,
und über die leise Gewissheit,
dass nach allem, was schwer war,
etwas Neues beginnen darf.