Das 3. Blockseminar „Lesen“

FACHTHERAPEUTIN LRS

Verena Schönke

11/29/20252 min lesen

Lesen verstehen, fördern und stärken

Mit dem dritten und letzten Block meiner Weiterbildung zur Fachtherapeutin für Lese-Rechtschreibstörungen (LRS) ist nun auch der große Themenbereich „Lesen“ abgeschlossen.
Nach dem Grundlagenseminar und dem Modul „Schreiben“ stand dieser Block ganz im Zeichen der Leseförderung – einem Kernbereich für schulische Teilhabe und langfristigen Lernerfolg.

Lesen ist ein komplexer Prozess, der weit über das Erkennen einzelner Buchstaben hinausgeht. Er verbindet Wahrnehmung, Sprache, Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Verstehen zu einer gemeinsamen Leistung. Genau hier beginnen für viele Kinder mit LRS die Herausforderungen – und genau hier setzt moderne, fundierte Förderung an.

🏠 Das „Haus des Lesens“ – ein strukturiertes Modell

Ein zentrales Modell dieses Blocks war das „Haus des Lesens“. Es beschreibt, wie sich Lesekompetenz Schritt für Schritt aufbaut:

  • Grundlage: phonologische Bewusstheit, Reime, Silben, Laute

  • Fundament: sichere Buchstaben-Laut-Verbindungen

  • Mittlere Ebenen:

    • alphabetische Strategie (genaues, lautierendes Lesen)

    • orthographische Strategie (schnelles, automatisiertes Lesen)

  • Dach: Leseverständnis und der Aufbau eines Situationsmodells

Wird ein Baustein unsicher erworben oder nicht automatisiert, wirkt sich das auf alle folgenden Ebenen aus. Das macht deutlich, wie wichtig ein systematischer, gut abgestimmter Förderweg ist.

🧠 Warum Lesen für viele Kinder mit LRS so mühsam ist

Viele Kinder mit einer Lese-Rechtschreibstörung lesen:

  • langsam

  • stockend

  • mit häufigem Zurückspringen

  • oder bleiben zu lange im lautierenden Lesen

Ursache sind häufig:

  • unsichere Buchstaben-Laut-Korrespondenzen

  • eine eingeschränkte phonologische Verarbeitung

  • geringe Automatisierung

  • hohe Belastung des Arbeitsgedächtnisses

  • Schwierigkeiten in der Inhibition (frühes Erraten)

  • reduzierte Flexibilität zwischen Lese-Strategien

All das führt dazu, dass Lesen enorm viel Energie kostet – und diese Energie fehlt dann für das Textverstehen.

🔍 Lesediagnostik – genau hinsehen, bevor gefördert wird

Ein weiterer Schwerpunkt war die differenzierte Diagnostik, um Lesefertigkeiten präzise einschätzen zu können. Dabei wurden unter anderem betrachtet:

  • Lesegenauigkeit

  • Lesegeschwindigkeit

  • Wort-, Satz- und Textverständnis

  • Fehlerprofile

  • Rolle von exekutiven Funktionen

  • Zusammenhänge mit Aufmerksamkeit (z. B. AD(H)S)

  • Einfluss des Arbeitsgedächtnisses und der Benennungsgeschwindigkeit

Nur mit einem klaren diagnostischen Bild lässt sich eine wirklich passgenaue Förderung entwickeln.

🛠️ Wirksame Leseförderung – Methoden, die wirklich helfen

In der praktischen Arbeit lag der Fokus auf evidenzbasierten Fördermethoden, die sich in der Forschung als wirksam erwiesen haben:

  • Training der Lesegenauigkeit mit ungeübtem Material

  • Silbenarbeit und Silbenteppiche

  • Blitzwort- und Sichtwortschatzübungen

  • Pseudowortlesen

  • wiederholtes Lesen

  • Lautlesetandems

  • strukturierter Aufbau von Genauigkeit → Geschwindigkeit → Verständnis

Nicht wirksam sind hingegen Ansätze, die ausschließlich auf visuelle Wahrnehmung, Farbfilter oder augenbezogene Trainings setzen – ohne die eigentliche Leseleistung zu fördern.

🗓️ Drei Seminartage voller Struktur & Praxis

Der dritte Block fand an drei intensiven Fortbildungstagen vom 27.11.-29.11.25 statt.
In diesen Tagen wurden alle wichtigen Aspekte des Leseerwerbs, der Diagnostik und der therapeutischen Intervention umfassend behandelt. Die Inhalte bauten logisch aufeinander auf und ergaben ein vollständiges, klar strukturiertes Gesamtbild der modernen Leseförderung.

Wie schon in den vorherigen Modulen durfte ich auch diesen Block wieder als Seminarbetreuerin bei LOGUAN begleiten – eine Aufgabe, die ich sehr schätze und die mir wertvolle Einblicke sowie einen intensiven fachlichen Austausch ermöglicht hat.

🎓 Ausblick: Prüfung & Supervision am 07.02.2026

Nach Abschluss aller drei Module – Grundlagenseminar, Schreiben und Lesen – steht nun der letzte Schritt bevor:
Am 07.02.2026 findet die abschließende Prüfung bzw. Supervision statt. Dort werden alle Inhalte der Weiterbildung zusammengeführt, reflektiert und fallbezogen bewertet.

Ich blicke diesem Termin mit Respekt, Klarheit und großer Vorfreude entgegen.