Fortbildung zu Exekutivfunktionen in der Kindersprachtherapie

FORTBILDUNGEN

Verena Schönke

9/13/20263 min lesen

Ein wertvolles Fortbildungswochenende rund um Aufmerksamkeit, Lernen und Kindersprache

An diesem Wochenende durfte ich wieder die Seminarbetreuung für ein Online-Seminar von LOGUAN übernehmen. Zwei intensive Tage lang ging es um ein Thema, das uns in der Kindersprachtherapie jeden Tag begegnet: die Bedeutung der Exekutivfunktionen – und damit um all die Fähigkeiten, die Kinder benötigen, um ihre Aufmerksamkeit zu lenken, sich etwas zu merken, kleine Impulse zurückzustellen und Schritt für Schritt handeln zu können.

Referentin Claudia Ochsenkühn nahm uns mit viel Fachwissen und einem wunderbar klaren Blick für den therapeutischen Alltag durch das Seminar. Dabei wurde schnell deutlich: Sprache entwickelt sich nicht für sich allein. Sie ist eng verbunden mit Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Lernen, Bewegung, Gefühlen und der Fähigkeit, das eigene Handeln zu steuern.

Nicht jedes Kind, das wegschaut, ist unaufmerksam. Nicht jedes Kind, das dazwischenruft oder sofort loslegt, möchte stören. Und nicht jedes Kind, das einen Auftrag wieder vergisst, hat vorher nicht zugehört.

Manchmal war die sprachliche Anweisung einfach zu lang. Manchmal gab es zu viele Eindrücke gleichzeitig. Vielleicht konnte das Kind nur einen Teil der Informationen festhalten – oder es wusste noch nicht, wie es beginnen sollte. Dann braucht es keine strengere Aufforderung, sondern jemanden, der genauer hinschaut, die Aufgabe ein wenig kleiner macht und einen passenden nächsten Schritt anbietet.

Genau dieser liebevolle zweite Blick war für mich eine der wertvollsten Botschaften des Wochenendes: nicht vorschnell bewerten, sondern verstehen. Nicht nur fragen, warum etwas nicht funktioniert, sondern gemeinsam herausfinden, was das Kind braucht, damit es gelingen kann.

Dabei dürfen wir Kinder fordern und ihnen zugleich Sicherheit geben. Klare Strukturen, verständliche Sprache, kleine erreichbare Schritte und ehrliche Erfolgserlebnisse können ihnen helfen, immer mehr selbst zu übernehmen. So entsteht nach und nach das schöne Gefühl: Ich kann das.

Wenn Logopädie und Ergotherapie Hand in Hand arbeiten

Besonders schön war für mich, dass die Fortbildung erneut gezeigt hat, wie wertvoll die Verbindung von Logopädie und Ergotherapie ist. Viele kindliche Schwierigkeiten lassen sich nicht eindeutig nur einem Bereich zuordnen – denn Sprache, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Selbststeuerung und Handlungsplanung wirken im Alltag ständig zusammen.

In der Logopädie schauen wir beispielsweise auf Sprachverständnis, Wortschatz, Grammatik, Aussprache und Kommunikation. Die Ergotherapie richtet ihren Blick unter anderem auf Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Handlungsplanung, Selbststeuerung und die Bewältigung alltäglicher Anforderungen. Beides ergänzt sich auf eine ganz natürliche Weise.

Ein Kind kann sprachlich schon sehr viel wissen und trotzdem Unterstützung dabei benötigen, einen Auftrag Schritt für Schritt umzusetzen. Ein anderes Kind könnte eine Aufgabe eigentlich bewältigen, wird aber durch lange Erklärungen sprachlich überfordert. Erst wenn wir beide Seiten betrachten, ergibt sich ein vollständigeres Bild.

Deshalb ist für mich die beste Form der Unterstützung eine Praxis, in der Logopädie und Ergotherapie nicht nur Tür an Tür arbeiten, sondern sich wirklich miteinander austauschen. Kurze Wege, gemeinsame Beobachtungen und aufeinander abgestimmte Ziele helfen uns, jedes Kind noch genauer dort abzuholen, wo es gerade steht. Auch Eltern erhalten dadurch Empfehlungen, die zueinander passen und sich gut in den Familienalltag übertragen lassen.

Bevor die neuen Impulse nach und nach ihren Platz in unseren Therapien finden, möchten wir sie erst einmal in Ruhe im ganzen Team miteinander teilen. Deshalb wird es dazu eine interne Fortbildung geben, bei der wir alles Gelernte gemeinsam anschauen und aus logopädischer wie ergotherapeutischer Sicht besprechen. Ich freue mich sehr auf diesen Austausch – denn oft entstehen die schönsten Ideen genau dann, wenn unterschiedliche fachliche Blickwinkel zusammenkommen und gemeinsam weitergedacht werden.

Aus dem Seminar nehme ich außerdem jede Menge liebevoll aufbereitetes Arbeitsmaterial und praktische Anregungen mit. Natürlich wird nicht alles für jedes Kind passen – und genau das soll es auch nicht. Wir dürfen sorgfältig auswählen, ausprobieren und schauen, was dem einzelnen Kind wirklich hilft.

Für mich waren es zwei sehr wertvolle Fortbildungstage, die noch einmal leise, aber ganz deutlich bestätigt haben, wofür SCHÖNKE Therapie steht: Kinder nicht auf einzelne Schwierigkeiten zu reduzieren, sondern sie als Ganzes zu sehen – mit ihren Fähigkeiten, ihren kleinen und großen Entwicklungsschritten und ihrem ganz eigenen Tempo.

Denn manchmal beginnt Veränderung nicht mit einem großen Sprung, sondern mit einem Menschen, der genau hinschaut und sagt: Wir finden gemeinsam einen Weg.

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