Langweilige Tischspiele? Denkste!
FORTBILDUNGEN
Verena Schönke
9/5/20264 min lesen


Neue Impulse für einen bewegten Therapiealltag
Ein Tischspiel muss nicht immer am Tisch bleiben. Manchmal genügt eine kleine Veränderung, ein neuer Blickwinkel oder eine zusätzliche Bewegungsidee – und schon entsteht aus einem vertrauten Spiel eine ganz neue therapeutische Situation.
LOGUAN ist Kooperationspartner unserer Praxis. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit begleite ich regelmäßig ausgewählte Online-Seminare, die sogenannten LoMos, als Seminarbetreuerin. Dabei unterstütze ich den organisatorischen Ablauf und bin während der Veranstaltung Ansprechpartnerin für die Teilnehmenden und Dozierenden.
Am 31. August 2026 durfte ich auf diese Weise das LoMo „Langweilige Tischspiele? Denkste! Neue Impulse durch Bewegung im logopädischen Alltag“ begleiten. Dozentin Corina Dannenberg, Logopädin und Motopädagogin, nahm die Teilnehmenden mit in einen Therapiealltag, in dem Sprache, Wahrnehmung und Bewegung auf natürliche Weise zusammenspielen.
Auch wenn meine Aufgabe an diesem Abend vor allem in der organisatorischen Begleitung lag, nehme ich aus einem solchen LoMo natürlich immer auch fachliche Gedanken und Anregungen für die eigene Arbeit mit.
Vieles kam mir vertraut vor – und genau das war wertvoll
Bereits zu Beginn wurde deutlich, dass Bewegung nicht als zusätzliche Beschäftigung verstanden werden sollte, die einer sprachtherapeutischen Übung einfach angehängt wird. Vielmehr kann sie ein selbstverständlicher Bestandteil des Lernens und der Kommunikation sein.
Dieser Gedanke kam mir sehr vertraut vor. Auch in unserer Praxis arbeiten wir schon lange nicht ausschließlich ruhig am Tisch. Therapiematerialien werden flexibel eingesetzt, Aufgaben an die Bedürfnisse des jeweiligen Kindes angepasst und sprachliche Inhalte mit Bewegung, Wahrnehmung und gemeinsamem Handeln verbunden.
Manche Kinder können sich im Stehen, Knien oder Liegen besser auf eine Aufgabe einlassen. Andere benötigen zwischendurch Bewegung, um ihre Aufmerksamkeit wieder neu auszurichten. Wieder andere verstehen ein Wort oder eine Handlung besonders gut, wenn sie diese nicht nur hören oder auf einem Bild sehen, sondern selbst erleben dürfen.
Dass viele Grundgedanken des LoMos unserer bisherigen Arbeitsweise entsprachen, empfand ich deshalb keineswegs als Wiederholung. Im Gegenteil: Es war schön, diese Herangehensweise fachlich bestätigt und zusätzlich aus motopädagogischer Perspektive eingeordnet zu sehen.
Gleichzeitig brachte der Abend zahlreiche neue Ideen und Varianten mit sich. Sie regten dazu an, bekannte Spiele und vorhandene Materialien noch einmal anders zu betrachten und mit kleinen Veränderungen neue therapeutische Möglichkeiten entstehen zu lassen.
Warum Tischspiele in der Therapie so wertvoll sind
Tischspiele haben im logopädischen Alltag durchaus ihre Berechtigung. Sie schaffen einen klaren Rahmen, fördern die gemeinsame Aufmerksamkeit und bieten viele natürliche Sprechanlässe.
Während des Spiels können Kinder unter anderem üben, Regeln zu verstehen, abzuwarten, Entscheidungen zu treffen und mit kleinen Enttäuschungen umzugehen. Sie erleben Freude, Spannung und gemeinsame Erfolge. Gleichzeitig entstehen Gesprächssituationen, in denen benannt, beschrieben, gefragt, geantwortet und erzählt werden kann.
Je nach Therapieziel lassen sich dabei unterschiedliche sprachliche Bereiche aufgreifen. Dazu gehören beispielsweise Wortschatz, Satzbau, Artikulation, Sprachverständnis und kommunikative Fähigkeiten.
Doch nicht allein das Spiel entscheidet darüber, wie wertvoll eine therapeutische Situation wird. Entscheidend ist vor allem, wie wir es gemeinsam mit dem Kind gestalten.
Sprache darf mit dem ganzen Körper erlebt werden
Kinder entdecken ihre Umwelt über Bewegung und Wahrnehmung. Sie lernen, indem sie ausprobieren, handeln, beobachten und unmittelbar erfahren, welche Wirkung ihr eigenes Tun hat.
Auch Sprache entwickelt sich nicht losgelöst vom Körper. Viele Wörter und sprachliche Konzepte werden leichter verständlich, wenn sie mit einer konkreten Handlung oder einer eigenen Erfahrung verbunden sind. Gerade Verben, räumliche Begriffe oder Handlungsabfolgen können auf diese Weise besonders anschaulich werden.
Bewegung kann darüber hinaus Aufmerksamkeit, Motivation und Ausdauer unterstützen. Sie eröffnet manchen Kindern einen leichteren Zugang zu Aufgaben, die in einer klassischen Tischsituation möglicherweise anstrengend oder wenig interessant wären.
Dabei gilt jedoch nicht automatisch: Je mehr Bewegung, desto besser. Entscheidend ist der individuelle Blick auf das Kind. Welche Unterstützung benötigt es gerade? Was weckt seine Neugier? Welche Herausforderung ist angemessen? Und wann braucht es vielleicht auch Ruhe, Struktur oder eine klare Begrenzung?
Eine gute Therapie orientiert sich nicht an einer starren Spielidee, sondern an den Fähigkeiten, Interessen und Bedürfnissen des einzelnen Kindes.
Vorhandenes Material neu entdecken
Besonders gefallen hat mir der alltagstaugliche Ansatz des LoMos. Für eine bewegte und abwechslungsreiche Therapie muss nicht ständig neues Material angeschafft werden. Häufig lässt sich bereits Vorhandenes mit kleinen Veränderungen auf ganz unterschiedliche Weise einsetzen.
Ein bekanntes Spiel kann den Platz wechseln, mit Bewegung verbunden oder in eine kleine Handlung eingebettet werden. Karten, Würfel und andere Spielmaterialien können dadurch neue Funktionen erhalten und zusätzliche sprachliche, motorische oder wahrnehmungsbezogene Anreize bieten.
Die konkreten Ideen gehören selbstverständlich in das Seminar. Für mich bleibt daraus vor allem der Impuls, vertraute Materialien regelmäßig mit einem offenen Blick zu betrachten: Was steckt noch darin? Wie lässt sich das Spiel an dieses Kind und sein aktuelles Therapieziel anpassen? Und wie kann aus einer Aufgabe ein gemeinsames Erlebnis werden?
Gerade die Verbindung aus Bekanntem und Neuem macht solche Impulse so wertvoll. Bewährte Vorgehensweisen müssen nicht ersetzt werden. Sie können weiterentwickelt, ergänzt und immer wieder individuell verändert werden.
Gemeinsam handeln schafft Beziehung
Therapie lebt nicht allein von Methoden und Materialien. Sie lebt vor allem von der Beziehung zwischen Kind und Therapeutin oder Therapeut.
Wenn ein Kind mitentscheiden, ausprobieren und eigene Ideen einbringen darf, erlebt es sich als aktiv und wirksam. Es erfährt: „Ich kann etwas bewirken.“ Diese Selbstwirksamkeit kann Mut machen, sich auch auf sprachliche Herausforderungen einzulassen.
Gemeinsame Freude und kleine Erfolgserlebnisse stärken das Vertrauen. Ein neues Wort, ein bewusst gebildeter Laut, eine selbstständig gelöste Aufgabe oder eine nachgeahmte Bewegung kann zu einem besonderen gemeinsamen Moment werden.
Genau darin liegt für mich eine große Stärke spielerischer und bewegungsorientierter Therapie: Sie verbindet fachlich geplante Förderung mit echtem Erleben.
Bewährtes bestätigt und um neue Impulse ergänzt
Das LoMo hat mir noch einmal gezeigt, dass Tischspiele und Bewegung keineswegs Gegensätze sind. Vieles von dem, was vorgestellt wurde, ist in unserer Praxis bereits selbstverständlich und fest in den Therapiealltag integriert. Gleichzeitig kamen neue Varianten, Ideen und Blickwinkel hinzu, die Lust darauf machen, Bekanntes weiterzudenken.
Nicht jede Anregung passt zu jedem Kind – und genau das muss sie auch nicht. Entscheidend ist, aus den vielfältigen Möglichkeiten das auszuwählen, was zum jeweiligen Entwicklungsstand, zum therapeutischen Ziel und zur aktuellen Situation passt.
Vielen Dank an Corina Dannenberg für den lebendigen Abend, die fachlichen Einordnungen und die vielen praxisnahen Impulse. Ebenso freue ich mich über die Zusammenarbeit mit unserem Kooperationspartner LOGUAN, durch die immer wieder fachlicher Austausch, neue Perspektiven und wertvolle Einblicke in ganz unterschiedliche therapeutische Themen möglich werden.
Einige der neuen Gedanken werden wir mit unserer bisherigen Arbeitsweise verbinden und individuell in den Therapiealltag bei SCHÖNKE Therapie einfließen lassen.
Denn manchmal ist längst vieles in Bewegung. Es braucht nur einen kleinen neuen Impuls, damit daraus noch etwas Besonderes entstehen kann.
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